Die kleinen Gehemnisse der Magdalene von Prince


Tom und Magdalene von Prince im August 1914 (Quelle: Dobbertin 1932)


 
Magdalene von Prince ist eine historische Figur, der nicht leicht beizukommen ist. Auf der einen Seite erleben wir sie als eine selbstbewusste und emanzipierte Frau, die sich in der kolonialen Männerwelt zu behaupten wusste. Auf der anderen Seite war sie eine überzeugte Kolonialherrin, die mit der Peitsche in der Hand weiße Privilegien verteidigte. Aber sie hatte auch ein paar dunkle Geheimnisse.


Magdalene wurde als Tochter des schlesischen Rittmeisters von Massow 1970 geboren. Im Alter von 14 Jahren lernte sie den späteren Kolonialoffizier Tom von Prince kennen. Tom von Prince zog kurz darauf in den Krieg nach Ostafrika, sie nach Königsberg. Im Januar 1894 heiratete sie Tom von Prince, als er einen Urlaub von seinen vielen Feldzüge in der Heimat nahm.

Tom von Prince war einer der Hauptfiguren in der kolonialen Eroberung Afrikas. Er nahm an den Kämpfen gegen Iseke von Unyayembe und vor allem an den Hehe-Kriegen zwischen 1891 und 1898 teil. Der Katastrophe von Rugaro, als Hehe-Krieger des Herrschers Mkwawa 1891 zwei Drittel der deutschen Schutztruppe unter dem Kommando von Zeleweski vernichteten, entging er nur durch einen Zufall. Seitdem lenkte Rache für seinen Freund Zeleweski nahezu jeden seiner Schritte.

So hielt es Tom von Prince nicht lange bei seiner jungen Braut und er brach wenige Woche nach der Heirat mit Magdalene nach Ostafrika auf, um seinen Rachenfeldzug gegen Mkwawa fortzusetzen. Für Kolonialoffiziere war sich es nicht ungewöhnlich, sich der Heirat aufgrund sozialen Drucks zu ergeben, der Ehe aber nach Afrika zu entfliehen. Magdalene aber wollte dies nicht hinnehmen und reiste ihrem Mann nach Ostafrika nach. Das Gouvernement in Dar es Salaam konnte mit der nachgereisten Frau ihres besten Offiziers nicht viel anfangen.  1896 gab es nur wenige deutsche Ehefrauen in der Kolonie. Man riet ihr daher dringend davon ab, die Stadt zu verlassen. Magdalene wollte davon nichts wissen und machte sich auf den beschwerlichen Weg nach Iringa, im Süden er Kolonie, wo ihr Mann seine Kämpfe mit den Hehe ausfocht.

Prince war von der Ankunft seiner Frau überrascht.  Er quartierte seine Frau im Fort von Iringa ein. Viel Zeit blieb dem Paar nicht, denn Prince plante seine letzte große Offensive.  Fünf Jahre unerbittlichen Krieges, bei denen die deutschen Truppen ganze Landstriche verwüstete, zwangen die Hehe langsam in die Knie. Nach heutigen Schätzungen soll die Zahl der Toten infolge des Krieges mindestens 100.000 Afrikaner betragen haben.

Magdalene machte das Beste aus dem eintönigen Leben auf dem Fort und freundete sich mit den Frauen der Askari an. Mit ihnen veranstaltete sie Kaffeekränzchen und Nähnachmittage. 

Prince größter Trumpf im Kampf gegen Mkwawa war dessen Bruder Mpangire, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war. Prince hielt Mpangire auf dem Fort als Geisel, um Mkwawa zu Verhandlungen zu zwingen oder ihn als neuen Herrscher nach Mkwawas Ende ins Spiel zu bringen. 1897 jedoch ließ er Mpangire durch den Strang hinrichten, weil er angeblich gegen die deutsche Herrschaft intrigiert habe. Historiker-Kollegen aus Dar es Salaam haben mir erzählt, dass in der lokalen Geschichte eine andere Version der Ereignisse kursiert. Magdalene habe ein Verhältnis mit Mpangire gehabt, Tom sei dahinter gekommen und habe den Nebenbuhler töten lassen.

Der Ort der Handlung: der Innenhof des Forts von Iringa


Das ist durchaus keine unwahrscheinliche Version der Geschichte. Magdalene beschreibt in ihren Erinnerungen regelmäßige Kontakte mit Mpangire, dem sie in der Regel mit  einer gewissen Sympathie begegnet zu sein scheint. Wenn man will, kann man in ihren Beschreibungen Mpangires durchaus erotische Untertöne herauslesen.

Die Hinrichtung Mpangires durchkreuzte Tom von Prince‘ Pläne einer politische Neuordnung des Mkwawa-Reiches. Die angegebenen Gründe machen wenig Sinn. Tom von Prince wäre nicht der erste Deutsche gewesen, der seine Beziehungsprobleme mithilfe des Galgens zu lösen versuchte. Erinnert sei an Carl Peters, der seine afrikanische Geliebte nebst Nebenbuhler am Galgen enden ließ, nachdem er deren Beziehung entdeckt hatte.

1898 war der Hehe-Krieg vorbei, Mkwawa tot. Zwei Jahre später nahm Tom von Prince seinen Abschied bei der Schutztruppe und  kaufte sich in Usambara eine Plantage. Das Anwesen der von Prince genoss schnell einen schlechten Ruf. Tom von Prince aber auch Magdalene sollen mit der Nilpferdpeitsche schnell bei der Hand gewesen sein. Die Zustände auf der Plantage wurden so schlimm, dass Gouverneur von Rechenberg sich zu einer Untersuchung genötigt sah. Tom von Prince aber hatte einflussreiche Freunde im Reichstag und die Untersuchung verlief im Sande.

Mit dem Ausbruch des Krieges kehrte Tom von Prince in den aktiven Dienst zurück. Als langjähriger Freund Lettow-Vorbecks unterstützte er den Befehlshaber in seinem Kampf gegen den Gouverneur Heinrich Schnee. Wie Lettow-Vorbeck wollte Prince Krieg. Tom von Prince organisierte unter den deutschen Siedlern ein Freiwilligenkorps und überschritt Mitte August als erster deutscher Offizier die Grenze zur britischen Kolonie. Danach gab es in Ostafrika kein Zurück mehr.
Deutsche Freiwillige bei Ausbruch des Krieges (Quelle: Dobbertin 1932)


Magdalene organisierte unterdessen  eine Freiwilligengruppe von Frauen, die sich der medizinische Versorgung der Truppen annahm.

Anfang November landeten britische Truppen in der Hafenstadt Tanga. Tom von Prince gehörte zu den ersten Verteidigern der Stadt. Am 4. November fiel er.

Über den Tod von Prince ranken sich einige Gerüchte. Eines handelt auch von Magdalene. Unter den britischen Soldaten verbreitete sich nach der Schlacht das Gerücht, dass drei Frauen gefallener deutscher Offiziere sich des Nachts zu den Linien der Briten schlichen. Dort übten sie schreckliche Rache für den Tod ihrer Männer. Bevor sie ihre Opfer töteten, kastrierten sie sie.  Magdalene ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Frauen in dieser Geschichte.


....

Kommentare